Projekt Leistungsmarsch

Fakten:
Herausforderung: 200 km in vier Tagen
Durchführungsort: Nijmegen / Niederlande
Wer: Björn, ich und 42.268 Verrückte
Zeitraum: 17. - 20.07.07 ab 4 Uhr Nachts bis 17 Uhr
Homepage: www.4daagse.nl

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Tag vor dem Start:
Dies ist der größte Internationale Marsch den es gibt. Sehr viele Einzelpersonen aber auch Gruppen von Polizei, Feuerwehr und Militär aus der ganzen Welt treten an. Insgesamt haben sich dieses Jahr 42.270 Leute angemeldet! Es gibt drei Kategorien. 30, 40 und 50 km. 50 km sind für junge Männer, 40 km sind für Frauen und Marschgruppen (da sie mit Marschgepäck und im Gleichschritt marschieren müssen). 30km sind für ältere Leute. Letztes Jahr ist aufgrund der großen Hitze abgebrochen worden. Nach dem ersten Tag lagen waren bereits zwei Menschen tot und einer lag im Koma. Die Polizei musste Busse beschlagnahmen um die erschöpften Leute ins Krankenhaus zu bringen. Das örtliche Krankenhaus von Nijmegen war randvoll überfüllt. Die Organisation beschloss danach sofort den Marsch zu stoppen. Hoffentlich wird sowas dieses Jahr nicht passieren. Soweit ist hier eine unbeschreibliche schöne Stimmung. Die große Flaggenparade im Stadion beginnt. Das Stadion ist randvoll und es herrscht eine euphorische Stimmung. Am Anfang des Programms gehen Aufheizer herum, um die La-Ola-Wellen zu üben. Viele Showacts. In der Mitte des Stadions wird live das Lied "Step by Step, Day by Day" gesungen. Fallschirmspringer landen in der Mitte. Danach das offizielle "Vierdaagselied" für diesen Leistungsmarsch. Am Ende kommen die meisten Gruppen des Militärs usw. in Formation ins Stadion und eine Fahnenparade beginnt. Alles sehr beeindruckend.

Hier gehts zur Bilderserie vor dem Start -->

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Erster Tag:
Der erste Tag ist rum. Wir sind heute schon um 02:30 aufgestanden um rechtzeitig anzukommen. Konnten am Anfang keinen Parkplatz finden und so konnten wir erst um viertel vor Sechs starten. Ich muss sagen, dass ich das leider ein wenig unterschätzt habe. Haben 10:45 h gebraucht. Wird verdammt hart. Fußsohle schmerzen. Knie, Hüfte und Rücken tun saumäßig weh. Erster Tag haben wir gepackt. Die Zeit hat sich gezogen wie Kaugummi. Viele sind gehumpelt. Sind erst eine halbe Stunde vor Schlusspfiff am Zieleinlauf rein gekommen. Oder ob der Lumpensammler die restlichen auf der Strecke gebliebenen eingesammelt hat. Meine Nummer lautet 50K703.
Verdammt 50Kilometer vier verdammt Tage hintereinander. Können keine Prognose abgeben. Müssen sehen wie wir uns morgen früh verhalten. Mir wird schwindlig wenn ich an Morgen denke. Die Leute hier sind aber voll dabei und stehen am Rand und feuern nur an. Muessen weg. Sofort ins Bett und Blasen zählen.

Hier gehts zur Bilderserie "Tag Eins" -->

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Zweiter Tag:
Hölle!!!!! Kamen erst eine viertel Stunde vor Schluss am Ziel an. Heute noch den Tag gepackt. Können morgen noch eine halbe Stunde früher starten. Dann ist die Zeitgrenze erreicht. Werden immer langsamer. Grenze der täglichen körperlichen Belastung. Dürfen morgen nicht langsamer werden da wir sonst die Zeitgrenze erreichen und das Tagesziel verfehlen. Gegen Ende fast alle zwei Kilometer Pause gemacht. Wird halt immer härter und das jeden Tag vier lange Tage hintereinander zu fordern. Füße tun verdammt weh. Schmerzen der Gelenke und Muskel treten deswegen eher in den Hintergrund. Fühle mich so als ab jemand mit dem Messer mir die Fußsohle aufgeschnitten hat. Naja Tag zwei noch erfüllt.

Hier gehts zur Bilderserie "Tag Zwei" -->

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Dritter Tag:
Ab Km 20 zählst du jeden Meter. Die Leute hier sind wirklich sehr gut drauf und feuern einen nur an so dass man kurze Zeit die Fußsohle vergisst. Wir waren vor 17 Uhr am Ziel. Haben uns die letzten Meter humpelnd ins Ziel geschleppt. Morgen wird Gott sei dank eine Stunde extra geduldet. Wir haben alle legalen Reserven aktiviert. viel Wasser, Bananen, Isotonische Drinks, Energydrinks, Powerriegel, Eiweißdrinks. Salbe gegen die Schmerzen an der Fußsohle vor, während und nach dem Marsch. Salbe für Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Kalziumtabletten und Parazetamol. Amputiert mir die Beine, es kann nur besser werden. Morgen heißt es noch mal Zähne zusammen beissen und irgendwie ins Ziel kommen.

Hier gehts zur Bilderserie "Tag Drei " -->

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Vierter Tag:
Und als ob die ganzen Probleme nicht reichen gibt es drei Stunden vor Schluss noch mal die Sahne auf den Kuchen. Es fängt an zu regnen. Erst langsam und dann immer heftiger. Wir stellen uns unter die Brücke mit vielen anderen. Freuen uns vorerst über die unfreiwillige Pause. Nach 15 Minuten merken wir, dass der Regen nicht weniger wird. Unser Einwegponcho wird nicht viel abhalten. Die Laufschuhe werden sich schnell mit Wasser voll saugen. Doch die Zeit rennt uns weg. Wir müssen weiter. Es ist stürmisch geworden. Ich halte meine Kapuze fest und es geht weiter. An den Seiten kleine Ströme mit Regenwasser. Ich merke, dass bei jedem Meter die Schuhe nässer und kälter werden. Hose saugt sich voll und zieht das Wasser bis nach oben. Die Zuschauer zeigen sich solidarisch und stellen sich ohne Schirm an den Rand und überreichen Blumen. Die letzen 10 Kilometer stehen ununterbrochen Leute am Rand. Wie Karneval. Wir gehen jetzt schon zwei Stunden im strömenden Regen und eine Stunde liegt noch vor uns. Die Schuhe sind randvoll mit Wasser und die Salbe unter der Fußsohle gegen die Schmerzen löst sich ab. Die Schmerzen treten wieder heftig zum Vorschein. In Nijmegen wartet eine tosende Menge auf uns. Alle haben Blumen in der Hand. Vom Jubel werden wir ins Ziel geschoben. Bevor wir es begriffen haben sehen wir schon das Ziel. Im Ziel angekommen macht sich schwere Erleichterung breit. Wir humpeln zu unserem Stand und bekommen unsere Medaille überreicht. Medaille für erwiesene Marschfähigkeit. Voller Stolz trinken wir unser erstes Bier. Bei uns beiden eine eher ruhige Stimmung. Beide sind wir erschöpft aber überglücklich auf das erreichte.

Hier gehts zur Bilderserie "Tag Vier " -->
Projekt Leistungsmarsch